Über uns

Hirschlanden, ein kleines Baulanddorf mit 406 Einwohnern, hat in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche große Projekte verwirklicht. So wurden ein Gemeinschaftshaus, ein Jugendhaus, eine Grillhütte, ein evangelisches Gemeindehaus, ein neues Sportgelände sowie ein Museum mit Gaststätte und Brauerei gebaut. Zusätzlich wurden zahlreiche öffentliche Gebäude, wie der Kindergarten und die Kirche, mit erheblichem Einsatz des Dorfes generalsaniert. Das ungewöhnliche an diesen Bauprojekten: Sie wurden ohne Geldmittel der Gemeinde Rosenberg, sondern allein mit Eigenleistungen und Finanzmitteln des Dorfes sowie insbesondere Zuschüssen des Landes  (ELR) und europäischer Förderprogramme verwirklicht. Neben diesen Maßnahmen wurden noch Kinderspielplätze gebaut, eine Wasserentnahmestelle für alle Dorfbewohner eingerichtet und viele kleinere Projekte in Eigenregie umgesetzt. Dieses Motto prägte die Dorfgemeinschaft und lies sie zusammenwachsen

Die notwendigen Finanzmittel hat das Dorf durch ungewöhnliche Aktionen und skurrile Feste erwirtschaftet. So wurde die erste Junggesellen-Versteigerung Süddeutschlands durchgeführt und beim Straßenfest (mit durchschnittlich 5.000 – 10.000 Besuchern) finden mehrere offizielle Weltmeisterschaften statt (WM im Mistgabelweitwurf, Mülltonnen-WM, Schrei-DM, Dackelrennen etc.). Die Rechte für diese Meisterschaften hat sich die Dorfgemeinschaft gesichert. Am bemerkenswertesten ist jedoch, dass die „Hirschlandener“ alle Baumaßnahmen durch eine ungewöhnlich hohe Zahl von Eigenleistungen verwirklicht haben - alle Projekte zusammen nachweislich rund 37.000 Stunden in 22 Jahren – bei 406 Einwohnern! Durch Zusammenhalt und außergewöhnliches Engagement haben sich die Bewohner von Hirschlanden zahlreiche wichtige Infrastruktureinrichtungen geschaffen.

Durch seine Aktionen wurde das Dorf im ganzen Land bekannt: Zahlreiche Regionale und überregionale Zeitungen berichteten. Das SWR-Radio sendete in den vergangenen 5 Jahren rund 30-Mal aus Hirschlanden. Die Hirschbräu-Gaststätte wurde vom SWR 2013 zur „Besten Dorfgaststätte des Landes Baden-Württemberg“ gekürt und die SWR-Sendung „Branik kocht“ wurde 2014 hier aufgezeichnet. Das SWR-Fernsehen drehte in den vergangenen fünf Jahren vier Filme in Hirschlanden: 2010 „Ein Dorf braut Bier: Hirschlanden hat die kleinste Zollbrauerei Deutschlands“, 2011 „Treffpunkt Baden-Württemberg“ beim Dorf- und Straßenfest Hirschlanden mit 7.000 Besuchern: „Ein kleines Dorf und seine großen Ideen – die Weltmeisterschaft im Mistgabel-Weltwurf“, 2013 „Hirschbräu hat die beste Dorfgaststätte von Baden-Württemberg“ und im Dezember 2014 „Lebensart: Biertrends in Baden-Württemberg: Hinter Hirschbräu steht ein ganzes Dorf“ (Ausstrahlung am 11. September 2015).

Das Engagement der Dorfbewohner hatte zahlreiche Preise und Ehrungen zur Folge:
2001 den Landespreis für vorbildliche kommunale Bürgeraktion für den Bau des Jugendhauses sowie 2002 den Sonderpreis der Bundesregierung mit Empfang durch den Bundeskanzler in Berlin (Jugendhausbau). Die ehrenamtlich betriebene Brauerei mit Gaststätte „Hirschbräu“ wurde 2010 mit dem „Landespreis für vorbildliche kommunale Bürgeraktion“ geehrt, 2011 zum „Musterprojekt des Landes Baden-Württemberg in Europa“ gekürt und 2013 vom SWR im Rahmen des Regionenchecks als „Beste Dorfgaststätte in Baden-Württemberg“ ausgezeichnet. Das Projekt ist auf acht Seiten des SWR-Buches „Unsere schönsten Landgasthöfe“ aus dem Jahr 2014 dargestellt. Trotz dieser Erfolge erkannte die Dorfgemeinschaft, dass etwas fehlte: Der demografischen Entwicklung und der Land-Stadt-Flucht junger Menschen wurde zu wenig Rechnung getragen. Es gab viele Projekte für einzelne Generationen, hervorragendes Engagement in den Vereinen -  aber die Vernetzung fehlte. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft wurde nicht ausreichend genutzt. Aus diesem Grund wurde 2012 eine Bürgerversammlung (mit 112 Teilnehmern) abgehalten und über die Zukunft des Dorfes gesprochen. Ein Meilenstein für die Dorfgemeinschaft war die Erstellung der Konzeption „Mehrgenerationendorf Hirschlanden – gemeinsam statt einsam“ im Jahr 2013 durch die Ortschaftsverwaltung, die Kirchengemeinde, das Dekanat, sämtlicher Vereine und zahlreicher Einwohner. Dieses Leitbild hatte die Erarbeitung eines Projekt- und Zielerreichungsplanes zur Folge. Als Grundlage fungierte eine Fragebogenaktion und mehrere Bürgerversammlungen, in denen alle Einwohner von Hirschlanden aufgefordert waren, ihre kurz-, mittel- und langfristigen Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren. Die Rücklaufquote des Fragebogens, der an alle Haushalte verteilt wurde, betrug 61 %, bei den Über-60-Jährigen 83 %.

Durch die Auswertung der Wünsche und Bedürfnisse entstand in akribischer Arbeit ein Maßnahmeplan mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Projekte wurden formuliert und Arbeitsgruppen gebildet: Das Projekt „Mehrgenerationendorf Hirschlanden“ war aus der Taufe gehoben. Inzwischen beteiligt sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger intensiv in den einzelnen Arbeitsgruppen an der Weiterentwicklung. Bei den Festen zur Finanzierung der Maßnahmen – wie dem großen Dorf- und Straßenfest das in diesem Jahr zum 18. Mal stattfindet – sind bis zu 310 Einwohner aktiv im Einsatz. Das Zusammenleben und die Gemeinschaft im Dorf haben eine neue Dimension erreicht.

Noch nie haben so viele Menschen intensiv mitgearbeitet.

Zahlreiche Einzelprojekte konnten inzwischen begonnen oder verwirklicht werden (Kisteneinkaufservice, Einstellung einer Koordinationsfachkraft für die Organisation des Alltags von älteren und hilfsbedürftigen Menschen, Mittagstisch für Senioren, Einrichtung eines Fahrdienstes, Neuaufbau des Kinderspielplatzes, Einrichtung eines Kommunikationstreffpunkts, Zertifizierung als Tierpädagogischer Kindergarten, Weiterentwicklung der Biotopvernetzung sowie Grüngestaltung des Dorfes und vieles mehr).


Besondere Bedeutung hat die Neukonzeption des evangelischen Kindergartens „Unter dem Regenbogen“ als
Tierpädagogisches Inklusionsprojekt im Jahr 2014. Das regional einzigartige Projekt bewirkt, dass Kinder aus umliegenden Dörfern die Einrichtung besuchen und so zum Erhalt beitragen.


Der aufgestellte Maßnahmen- und Projektplan „Mehrgenerationendorf Hirschlanden“ führte dazu, dass Hirschlanden (als eines von neun Dörfern in Baden-Württemberg) im November 2014 als
ELR-Schwerpunktdorf anerkannt wurde. Diese Einstufung ermöglicht in den kommenden fünf Jahren die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen. Zusätzlich werden einzelne Projekte zum Leader-Förderprogramm angemeldet, das 2015 beginnt und die Region Badisch-Franken mit einbezieht. Hirschlanden ist auf dem Weg in die Zukunft und baut sich sinnbildlich sein Mehrgenerationenhaus!